Das Guillain-Barré Syndrom (GBS)
Zunächst etwas Geschichtliches:
1859
beschrieb Jean B.O. Landry, ein französischer Arzt, eine Nervenstörung,
die Beine, Arme, Nacken und Atemmuskelndes Brustkorbes lähmt. Einige
Berichte mit ähnlichen Anzeichen kamen aus anderen Ländern.
Basierend
auf der Grundlage der Lumbalpunktion, die 1891 durch den deutschen
Internisten Heinrich Irenaeus Quincke erfunden wurde, wendeten die drei
Pariser Ärzte Georg Guillain, Jean Alexander Barré und Andre Strohl im
Jahr 1916 diese Punktion an, um die charakteristische Abnormalität
eines erhöhten Eiweißspiegels aufzuzeigen.
Einige Forscher
fanden heraus, dass auch die Nerven des Rachens, des Herzens, der Blase
und der Augen betroffen sein können. Von den vielen unterschiedlichen
Bezeichnungen dieses Erscheinungsbildes hat sich der Name
Guillain-Barré Syndrom durchgesetzt. Es hätte auch Landry Guillain
Barré Strohl Syndrom heißen können.
Das akute GBS:
Das
Guillain-Barré Syndrom wird auch als „akute idiopatische Polyneuritis“
bezeichnet. Es ist eine entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven.
Diese liegen außerhalb des Gehirns und der Wirbelsäule.
Charakteristisch beginnt GBS mit einer allgemeinen Schwäche, gefolgt
von Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen in Beinen und Armen.
Gelegentlich sind auch die Atem- und Gesichtsmuskeln betroffen. Viele
Betroffene müssen bereits im frühen Stadium auf der Intensivstation
behandelt werden, besonders dann, wenn auch Beatmungspflicht aufgrund
der Lähmungen der Atmungsorgane notwendig wird.
Die meisten
Patienten erholen sich wieder. Das kann jedoch Monate oder noch länger
dauern. Einige Betroffene behalten geringe Langzeitschäden
unterschiedlicher Art zurück. Statistisch gesehen gibt es weltweit ca.
1-2 Fälle pro Jahr auf 100 000 Einwohner. Nach dem derzeitigen Stand
der Forschung kann GBS jeden treffen, unabhängig von Alter, Geschlecht
oder Rasse.
Die Diagnose:
Bereits die ersten
Symptome der Patienten, wie zum Beispiel der Schwächezustand, geben
ausreichende Hinweise zur weiteren Diagnostik. Der schnelle Verlauf von
zunehmender Schwäche sowie die begleitenden Empfindungsstörungen in
beiden Körperhälften ergeben ein allgemeines Gesamtbild, das auf das
Guillain-Barré Syndrom hinweist. Gewöhnlich wird auch der Verlust oder
die Einschränkung von Reflexen festgestellt.
Um die Diagnose GBS
zu bestätigen, ist auf jeden Fall eine Lumbalpunktion erforderlich, um
einen veränderten Eiweißspiegel festzustellen, sowie eine elektrische
Laufzeitmessung (EMG), um die Nerven- und Muskelfunktionen zu prüfen.
Die Behandlung:
Bereits
im Frühstadium müssen aufgrund des unsicheren Fortschreitens der
Krankheit die Patienten stationär in einer Akut-Klinik behandelt
werden, gewöhnlich auf der Intensivstation, um die Atmung und andere
Körperfunktionen zu überwachen und eventuellen Komplikationen
vorzubeugen.
Um den Verlauf abzukürzen, werden dem Patienten
hohe Dosen von Immunglobulin intravenös gegeben. Alternativ kann auch
eine Plasmaaustauschbehandlung (eine Art Blutreinigung) vorgenommen
werden.
Nach der Behandlung in der Akut-Klinik ist in der Regel
ein Rehabilitationsprogramm zur Wiederherstellung der Nerven- und
Muskelfunktionen erforderlich. Das wird normalerweise in einer
neurologischen Rehabilitationsklinik durchgeführt. Ein wesentlicher
Teil der Rehabilitation besteht aus Krankengymnastik und Ergotherapie,
um die Muskeltätigkeit wieder herzustellen.
Die Ursache:
Die
Ursache ist bis heute unbekannt. Viele Fälle treten innerhalb weniger
Tage bis einige Wochen nach einer Virus oder bakteriellen Infektion
auf. Das kann eine gewöhnliche Erkältung, Grippe, Rachenentzündung oder
eine Magen-Darmstörung (verursacht durch Campylobacter Jejuni) mit
Durchfall sein. Auch Insektenstiche sowie Impfungen (Tetanus, Grippe)
werden als Auslöser vermutet.
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